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DANIEL METTJES - "WELTENSCHIFF ARION"

Morion wusste, dass der heutige Tag ein entscheidender für seinen Weg als Runenleser sein würde. Er würde bald einen Trupp Gardisten in die Schlacht begleiten, seine erste Schlacht. Der Runenprophet Laradrien des Weltenschiffs Arion hatte vor ein paar Tagen angekündigt, dass die Orks eines ihrer Portale auf einem Planeten in der Nähe finden würden, und dass sie es verteidigen mussten. Morion durfte zum ersten Mal für sein Volk kämpfen. Und er würde es nicht enttäuschen. Auch wenn ihm eigentlich bis heute nicht ganz klar war, wie die Vergangenheit dieses Volkes aussah. Natürlich hatte er während seiner Studien der unendlichen Bücher vom Fall der Eldar erfahren und kannte ihre Geschichte besser als kaum ein anderer. Doch die über die genaue Entstehung Arions hatte er selbst in den Büchern nichts gefunden.
Es würde noch etwas dauern, bis die letzten Vorbereitungen getroffen sein würden und so beschloss Morion noch einmal seinen geistigen Führer aufzusuchen und ihn zu fragen. Morions Meister war der größte Runenprophet des gesamten Weltenschiffs. Der Rat der Seher sah in ihm einen zukünftigen Meister der Runen, der irgendwann einmal vermutlich Laradriens Platz einnehmen sollte. Arion lief durch die Gänge des Weltenschiffs und betrachtete noch einmal genau das geschwungene blaue Muster auf der weißen Wand. Selbst die Falcons und Droiden des Weltenschiffs waren in diesem recht simplen Farbschema gehalten, welches dennoch auf irgendeine Art beruhigend auf den jungen Eldar wirkte. Bis auf die Aspektkrieger trugen eigentlich alle Eldar dieses Blau - Weiße Farbschema, selbst die schwarzen Khaindar Aions hatten das Blau mit in ihre Rüstungen aufgenommen. Spielten diese Farben vielleicht eine Rolle in der Vergangenheit seines Weltenschiffs ? Er hoffte, dies bald erfahren zu können.

"Laradrien, ich habe eine Bitte." Morion verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor seinem Lehrmeister. Der alte Runenprophet kam auf ihn zu. "Erhebe dich, Morion, und stell deine Bitte. So es denn in meinen Möglichkeiten liegt, so will ich dir Antworten auf deine Fragen geben." Morion stand auf und sah den Eldar an. Laradrien war selbst für einen Eldar alt und hatte schon viele Zeitalter kommen und gehen sehen. "Weiser Laradrien, ich habe mich gefragt, wie die Vergangenheit dieses Weltenschiffs aussieht. Ich habe bereits mehrere Nächte in der Bibliothek verbracht, doch mein Wissensdurst blieb ungestillt. Könnt ihr mir vielleicht mehr über unsere gemeinsame Vergangenheit erzählen?" Laradrien drehte ihm den Rücken zu und lief auf eines der Fenster des riesigen Weltenschiffes zu. Sein Blick schien durch die gesamte Galaxie zu schweifen und gleichzeitig doch nur ein paar Sterne beobachtend. "Nun, Morion, dass du kein Information dazu in den Büchern findest, ist nicht allzu verwunderlich. Die Vergangenheit Arions ist nur noch den wenigsten bekannt und noch weniger interessieren sich für sie. Die Meisten sind vielmehr damit beschäftigt sich um die Zukunft Arions zu kümmern, als auf unsere Vergangenheit zurückzublicken." Morion ging dem Alten hinterher und versuchte auszumachen, was er beobachtete. Er sah nichts als den schwarzen Himmel und die Sterne, die in ihm funkelten wie Diamanten. "Verzeiht meine Frage, natürlich ist unsere Zukunft wichtiger als unsere Vergangenheit." Morion ging demütig ein paar Schritte zurück. Der alte Eldar drehte sich um und sah ihn nun wieder an. Seine Miene hellte sich leicht auf und ein freundliches, aber zugleich von Erinnerungen geplagtes Lächeln huschte über sein Gesicht. "Nein, Morion, du musst dich für deine Frage nicht entschuldigen. Fragen sind Bestandteil des Wissens und ohne das Wissen um unsere Vergangenheit wäre unser Weltenschiff bei weitem nicht das, was es ist. Ich bin nur betrübt, dass die Vergangenheit nur noch so wenigen bekannt ist...
Außer mir wissen nur eine Handvoll Eldar auf diesem Schiff um unsere Vergangenheit. Und die Zeiten sind zu heikel, um diese schriftlich festzuhalten. Ich begann dieses Werk schon vor vielen Jahren, doch konnte ich es nicht weit bringen. Die Schuld daran trägt die Gegenwart und der Kampf um die Zukunft. Ich hoffe, dieses Buch eines Tages zu vervollständigen." Der Runenprophet bewegte zu seinem Tisch und holte ein kleines, silbernes Buch hervor. Er gab Morion. "Du wirst nicht viel in ihm finden, ich konnte gerade erst beginnen, die ersten Seiten zu beschriften." Morion blätterte langsam in dem Buch und warf einen Blick auf die ersten Seite, die geziert waren von Eldarrunen. Die gesamte erste Seite sprach nur von der täglichen Angst, mit der die Bewohner Arions heute lebten, also nichts, was Morion weiterhalf. "Lies es später, die Zeit dafür ist jetzt zu knapp. Ich werde dir erzählen, was ich weiß." Morion schlug das Buch zu und verneigte sich erneut vor seinem spirituellen Führer. "Habt Dank, Laradrien."

"Unser Volk war einst mächtig und stolz, sogar noch ein wenig mächtiger als die anderen Eldarstämme des Universums, auch wenn sich diese das natürlich nicht eingestehen werden. Wir lebten auf einem eigenen Planeten, auf dem es kein Land gab. Der gesamte Planet war überzogen von unendlichen Meeren und Wassermassen. Unser Stamm hatte schon damals die Technologie, auch Städte und Festungen unter dem Wasser zu bauen. - Vor allem hierzu wirst du viele wichtige Details in meinem Buch finden. - Wir lebten glücklich und zufrieden in den Tiefen des Meeres und auch unser Charakter passte sich unserer Umgebung an. Viele der Runenpropheten und Leser gingen mysteriöse Wege und wandelten in Geheimnissen. Die Krieger unseres Volkes übernahmen die Ruhe des Meeres, die es ihnen erlaubt, selbst in den hektischsten Momenten ruhig zu bleiben und die richtige Entscheidung zu treffen. Und das Meer gab den Kämpfer auch die ruhige Hand, die man braucht um den Gegner auf Distanz in Schach zu halten. Selbst nur wenige der anderen Eldar wussten von unserer Existenz, und viele unserer Brüder bezeichneten uns spöttisch als "Legende". Doch wir waren mehr als das. Wir waren ein Volk, das Wege fand, wo andere eine Wand sahen. Wir waren das Volk, das dort lebte, wo die anderen den Tod fanden. Doch das Meer brachte nicht nur Ruhe, es brachte auch Unachtsamkeit.
Die Tiefe des Meeres hatte viele Schlupflöcher und viele unentdeckte Höhlen. Und in eben jene Höhlen schlich sich das Chaos. Dunkel und verdorben korrumpierte es nach und nach den ganzen Planeten. Die Dunkelheit kroch aus ihren Löchern und übernahm nach und nach das Meer und den Planeten ohne dass wir es bemerkten. Und plötzlich, irgendwann, überfielen sie unsere Städte. Eine nach der anderen fiel unter grausamsten Bedingungen." Der alte Eldar blickte erneut aus dem Fenster und seufzte. "Viele unseres Volkes starben. Keiner war auf eine solche Situation vorbereitet. Selbst die größten der Runenpropheten hatten dieses Grauen nicht kommen sehen. Doch bald erkannte der Rat der Seher, dass unser Heil nicht mehr auf unserem Planeten lag. Selbst wenn man das Chaos damals hätte vertreiben können, wäre der Planet soweit verkommen und verdorben gewesen, dass wir auf ihm lange Jahre nicht mehr hätten leben können. So wurde damals in unserer Hauptstadt, Erathon, dieses riesige Weltenschiff gebaut, auf dem du dich jetzt befindest. In dieser Zeit fielen viele Städte unseres Volkes und das Chaos schien mit jedem Überfall nur stärker zu werden." Laradrien wanderte in seinem Raum auf und ab. "Ich sehe bereits den Platz des Überfalls aus meinem Fenster. Du wirst bald gehen müssen." Morion warf ebenfalls einen Blick aus dem Fenster des Zimmers des Runenpropheten. "Dann erzählt mir bitte wie es weiterging. Ich will mit dem Stolz meiner Ahnen das Schlachtfeld betreten!" Der alte Eldar lächelte freundlich.
"Dann, am entscheidenden Tag, als sich unser Volk bereit gemacht hatte, seine alte Heimat zu verlassen, griff das Chaos sie an. Dämonen und Monstrositäten stürmten auf unsere Brüder zu und schnell wurde ein Plan gefasst, der uns genug Zeit zum Fliehen geben sollte. Die Runenpropheten vereinten auf eine unglaubliche Art und Weise ihre Kräfte und erschufen so eine undurchdringliche Passage aus purer Energie zwischen der Stadt und den Dämonen des Chaos. Leider gehörten sie zu denen, die nicht gerettet werden sollten...
Sie blieben und hielten das Schild aufrecht, das die Dämonen abhielt. Der Rest der Eldar floh mit dem Weltenschiff, auf dem du dich jetzt gerade befindest. Seit damals haben wir oft unser Leben und unsere neue Welt - dieses Schiff - verteidigen müssen. Doch noch immer ist die Kraft des Meeres in uns und unseren Wegen. Du wirst merken, dass alle Eldar unseres Schiffes ruhige Personen sind, eine besondere Begabung für die prophetischen Weissagungen und die Veranlagung für zielsichere Schützen. Wir hatten damals selbst spezielle Fahrzeuge für den Unterwassertransport. Unser Faolchú war auch bekannt unter dem Namen "Der Mantis". Erst mit der Zeit stellten wir unsere Systeme auf das Leben im All und auf anderen Planeten ein. Ein Teil unserer Veranlagungen und unserer Vergangenheit gingen verloren, genauso wie unsere Heimat einst verloren ging. Viele unserer Krieger tragen heute noch die traditionellen Farben, die sie schon damals trugen - Unterschiedlichste Blautöne, symbolisierend für das Wasser, dass Meer und die Kraft, die von ihm ausgeht. Dazu noch meist Weiß, symbolisierend für die brechenden Wellen, die jeden Feind begraben." Laradrien wandte seinen Blick erneut von Morion ab. "Laradrien, ich danke euch dafür, dass ihr euer Wissen mit mir geteilt habt." Laradrien winkte ab. "Junger Leser, es ist schön, dass es noch Eldar gibt, die um das Wissen ihrer Vorfahren interessiert sind. Doch nun ist es an der Zeit das Schlachtfeld erneut zu betreten..."

Morion betrachtete den riesigen Koloss neben sich noch einmal. Bald würde er sich bewegen und auf die Horden der Orks einen wahren Feuerhagel ablassen. Der Phantomlord würde sie unter Lasersalven begraben. Er überblickte noch einmal die eher kleine Streitmacht seines Weltenschiffs. Er hatte schon wesentlich größere in die Schlacht ziehen sehen. Um ihn herum diskutierten die Gardisten, die er anführen sollte eifrig. Neben seinem Trupp gab es noch zwei weitere, aber diese beiden waren eher defensiv ausgelegt und mit einer schweren Waffenplattform unterwegs. Ein großer Falcon war auf der ganz rechten Seite zu finden. Und er hatte immer noch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Manta...
Ein Dreiertrupp der Vypers hatte sich genau gegenüber positioniert. Hinter ihm standen ein paar der Schwarzen Khaindar auf einer kleinen Anhöhe, die ihm und seinen Sturmgardisten mit Sicherheit guten Feuerschutz geben würden. Schließlich besaß jeder Eldar Arions die Veranlagung zum meisterhaften Schützen. Direkt neben ihm befanden sich noch zwei kleine Trupps aus Banshees und Skorpionskriegern, die Orks in der Mitte im Nahkampf beschäftigen sollten. In der Zwischenzeit bewegten sich noch weitere Kampfkolosse auf das Schlachtfeld. 1... 2... 3... 4... 5... 6... Kampfläufer zählte Morion, und er erkannte, dass sie fast ausschließlich mit Imuplslasern bewaffnet waren. Dies waren mächtige Waffen, die unglaubliche Mengen an Laserstrahlen feuern konnten. Dies hatte Morion in vielen der unendlichen Bücher lesen können. Ein zitierte noch einmal die magischen Runen, die ihm und seinem Trupp während der Schlacht großen Schutz geben sollten. Er sah Laradrien und wie er noch mit ein paar der Gardisten diskutierte. Er warf einen Blick über das Schlachtfeld und konnte mit dem Auge schon eine Staubwolke in der Ferne ausmachen. Dies schienen die ersten Orks zu sein. Elende Grünhäute! Der staubige Savannenboden machte es ihm aber nicht leicht, tatsächlich etwas zu erkennen "Los jetzt!" hörte er Laradriens Stimme in seinem Kopf. Er gab seinen Mannen den Befehl vorzustürmen. Er sah wie die Vypers und der Falcon an ihm vorbeijagten. Er und seine Gardisten positionierten sich kurz, als Morion erkannte, was da auf sie zukam. Eine riesige Grüne Welle stürmte auf sie zu, der mit Sicherheit die dreifache Größe ihrer Armee hatte. Er zögerte kurz und fing sich dann wieder. Er stürmte mit seinen Männern auf eine alte Ruine zu und sammelte sie dort.
Durch die alten Fenster des Gebäudes konnte Morion sehen, wie die schweren Geschütze der Eldar die Orks unter Beschuss nahmen. Die Schwadron Kampfläufer feuerte einen riesigen Hagel an Lasergeschossen ab, die viele der riesigen Orks zu Boden riss, und auch die Khaindar und die Gardisten mit Waffenplattformen ließen einen wahren Hagel an Geschossen auf die Horde nieder. Der Falcon und die Vypers umrundeten die Orks, ohne dabei auf sich aufmerksam zu machen. Sie schwebten leise an zwei Hügeln vorbei und verschwanden damit aus der Sicht der Oks - und leider auch aus seiner Sicht. Morion konnte die Skorpionkrieger und die Banshees ausmachen, die sich nicht allzu weit von ihm sammelten. "Wenn ihr die Orks angreifen wollt, dann tut das nicht alleine, ihr wärt verloren. Die Orks sind unglaublich brutale Monster, ihr müsst sie dezimieren, bevor ihr auch nur daran denkt, sie zu attackieren." Hallte es erneut in Morions Kopf. Laradrien hielt die Eldar zusammen, war ihr spiritueller Anführer. Er organisierte sie und gab die Befehle. Er war nicht nur weise, er hatte auch schon unendliche Schlachten gesehen und bestritten. Inzwischen waren die Orks aber bedrohlich nahe gekommen. Wie denn dezimieren ? Diese riesigen Biester schienen kaum beeindruckt von den unglaublichen Verlusten, die sie bereits hinnehmen mussten. Hätten die Eldar genauso viele ihrer Brüder verloren, so stände vermutlich keiner mehr. Erneut hörte Morion das unglaubliche Surren und Zischen der Laserwaffen. Erneut fielen Hunderte Orks in einem unglaublichen Feuerhagel. Allerdings gab es auch beunruhigende Geräusche auf Seiten der Eldar. Ein großer Panzer hatte den Phantomlord in einer großen Explosion in die Luft gejagt, wurde aber im gleichen Atemzug von einer der Waffenplattformen der Eldar zerstört. Elende Bestien! Wieder einer von Morions Brüdern, der jetzt für immer in den Klauen des Chaos verloren war! Ein weiterer lauter Knall kam von Jenseits der Hügel, hinter denen eben noch der Falcon verschwunden war. Morion sah noch, wie die Khaindar erneut die Orks beschossen. Einen kurzen Moment schien es so, als würden die Orks nun ins Stocken geraten. Ihr Tempo wurde etwas langsamer. Zwischen ihnen grunzte ein noch größerer Ork ihnen irgendetwas zu. Morion wusste, jetzt war der Zeitpunkt für den Angriff gekommen. Er nahm den Griff seines Hagûn Zar fester in die Hand und holte tief Luft. Gerade als er seinem Trupp den Angriff befehlen wollte, geschah etwas unerwartetes. Laradrien hatte sich ein einiger Entfernung zu den Nahkampftrupps positioniert und hatte nun die Mächte des Warp beschworen, als ein riesiger Sturm reiner Energie über den Orks losbrach. Morion hörte die Schreie der Grünhäute, aber er der Sturm wirbelte soviel des sandigen Bodens auf, dass er schon nach wenigen Momenten nur noch wenig erkennen konnte. Bald war soviel Staub aufgewirbelt, dass man nicht mehr in diese Wolke hineinsehen konnte. Morion und sein Trupp starrten wohl genauso gespannt wie alle anderen in diese riesige Wolke. Für einen Moment legte sich unglaubliche Stille über das Schlachtfeld. Die Schreie der Sterbenden verstummten und kein Wind regte sich. Absolute Stille. Der Kampf schien für diesen kurzen Moment nicht mehr zu sein.
Dann plötzlich schoss der große Ork aus der Staubwolke und rannte, gefolgt von einigen anderen großen Orks auf Laradrien zu. Die Eldar waren so überrascht, dass keiner so schnell reagierte wie der Ork brauchte um Laradrien zu erreichen, ihn zu packen und die Kehle zuzudrücken. Danach ließ der Ork die leblose Hülle des Eldar fallen und brüllte einen lauten Siegesschrei hinaus. Morion war geschockt. Sein Lehrmeister war gefallen! Durch die Hand dieser widerlichen Bestien! Was sollte das Weltenschiff Arion ohne ihn werden ? Ohne ihn, einen der weisesten Eldar der ganzen Galaxie hatte Arion keine Zukunft mehr. Plötzlich hörte Morion noch einmal die Stimme des alten Eldar: "Die Meisten sind vielmehr damit beschäftigt sich um die Zukunft Arions zu kümmern, als auf unsere Vergangenheit zurückzublicken." Jetzt war nicht die Zeit, sich Sorgen um die Zukunft zu machen. Jetzt war es an der Zeit für die Gegenwart einzutreten und den Ruhm der Vergangenheit erneut aufleben zu lassen. Morion erhob sein Hagûn Zar und rief seinen Trupp zum Angriff. Sie stürmten auf die paar großen Orks zu, die immer noch bei Laradriens Leiche standen. Und als die anderen Eldar sahen, wie die Sturmgardisten auf die Orks zustürmten, schienen auch sie wieder neuen Mut zu fassen. Morion hörte die Kampfschreie der Skorpionskrieger und der Banshees in seinem Rücken. Als sie auf die Orks regelrecht aufprallten, entstand ein brennender Nahkampf. Während sich der Trupp der Gardisten mit den Orks beschäftigte, hatte Morion nur ein Ziel: Laradriens Mörder! Er hackte sich mit seinem Hagûn Zar durch einen der Grünlinge, als wäre er Nichts. Aus dem Augenwinkel erkannte er, wie die Banshees und die Skorpionskrieger mit zwei größeren Trupps normaler Orks kämpften. Der große Ork hatte ihn inzwischen bemerkt und schnaubte einmal laut, als er sich auf den Weg zu ihm begab.
Als sie sich inmitten des riesigen Kampfgetümmels gegenüberstanden, bemerkte Morion erst, wie groß der Ork wirklich war. Er überragte ihn fast um das Zweifache. Als der Ork das erste Mal ausholte wich Morion geschickt aus und schlug dem Ork mit dem Hagûn Zar in die Seite. Das Schwert schien den Ork nicht sonderlich zu beeindrucken, als er es abbekam. Der Ork drehte sich nur zu Morion um und wirkte ein noch etwas wütender als vorher. Der Ork holte erneut zum Schlag aus, aber wieder konnte Morion sich wegducken. Der Eldar sprang geschickt an dem riesigen Ork vorbei und rammte ihm sein Hagûn Zar in den Rücken. Diesmal zeigte es auch mehr Wirkung. Der Ork schrie verzweifelt auf, als er das Energieschwert in seinem Rücken bemerkte und versuchte nun erst mal den Eldar, der an dem Schwert hing, loszuwerden. Das geling ihm mit einer viel zu schnellen und unerwarteten Bewegung auch. Morion wurde in hohem Bogen zu Boden geschleudert. Sein Schwert steckte noch immer im Rücken des Orks, der jetzt mit schmerzverzehrtem Gesicht auf ihn zustürmte. Der ersten Energieklaue konnte der immer noch am Boden liegende Runenleser zwar ausweichen, aber die zweite traf ihn an der Schulter. Selbst die äonenalte Rüstung schützte den Eldar nicht. Ein brennender Schmerz durchzuckte Morion. Er konnte gerade noch einem weiteren Schlag ausweichen, der schon wieder auf ihn niederging. Diesmal aber blieb der Ork im weichen Sand stecken, was Morion die Zeit gab, die er brauchte um sich kurz in Sicherheit zu bringen. Er hielt sich die Schulter, war verletzt. Der große Ork stand immer noch wütend und schnaubend vor ihm. Morion war unbewaffnet, der Ork schein keinerlei Einschränkung durch das Schwert im Rücken zu haben. Und bei einem Blick auf das Schlachtfeld ergab sich Morion ein ähnliches Bild: Die Banshees waren inzwischen ganz geschlagen, seine Sturmgardisten hatten zwar die großen Orks getötet, aber waren danach schnell von den nachstürmenden Orks erledigt worden. Die Skorpione schlugen sich tapfer gegen einige Orks, aber waren auch hoffnungslos unterlegen. Selbst die Eldar die weiter hinten gelassen worden waren inzwischen zu großen Teilen aufgerieben. Der große Ork stapfte nun auf Morion zu und Morion konnte seinem Mund ein paar Worte entnehmen: "Wir machen euch Spargelz' fertich!" Der Eldar taumelte einen Schritt zurück, als alles vor seinen Augen kurz blitzte. Es war vorbei. Die Eldar waren geschlagen und die Orks würden das Weltenschiff Arion mitsamt seiner Vergangenheit und Zukunft vom Antlitz des Universums jagen...

NEIN! So sollte es nicht enden. Nicht jetzt und nicht hier. Und vor allem nicht durch die Hand eines widerlichen, grünen Orks! Morion öffnete noch einmal die Augen und sah den großen Ork an. Stolze, Hasserfüllte Eldaraugen, die den Ork regelrecht durchbohrten. Selbst der riesige Ork war einen Moment lang verblüfft und blieb stehen. Morion konzentrierte seine gesamten psionischen Kräfte auf den Ork. Der Ork hielt sich seinen Kopf, taumelte zurück und schrie vor Schmerzen auf. Er packte sich mit beiden Händen am Kopf und brüllte schmerzverzehrt in die Menge, als Morion seine Kräfte immer stärker auf forcierte. "Stirb elender Ork!" schrie Morion. Der Ork schrie ein letztes Mal, bis sein Kopf platze. Danach sank sein lebloser Körper zu Boden. Ein Raunen ging durch die grüne Horde und ihr Angriff schien für einen Augblick an Härte und Kraft zu verlieren. Morion schritt auf die Grüne Flut zu. Und in genau dem Moment hörte er ein bekanntes Geräusch: Das Surren einiger Antigravmotoren! Und dann sah er auch schon, wie hinter der grünen Horde der Falcon - nein, der Manta! - wieder aus den Tiefen auftauchte. Und auch die Vypers waren an seiner Seite und feuerten in den Rücken der Grünen Horde. Ein gutes Dutzend Orks fielen unter dem Beschuss der beiden Fahrzeuge. Ein paar der verwirrten Orks, die sich plötzlich in einer Kneifzange sahen, achteten viel mehr auf ihren Rücken als auf die Skorpionskrieger vor ihnen, die die Verwirrung dazu nutzen, einige weitere Orks niederzumachen. Die wenigen verbliebenen Orks standen nun zwischen ein paar entschlossenen Eldar und einem Panzer eingeschlossen und suchten ihr Heil in der Flucht. Die Schlacht war geschlagen und die Eldar waren siegreich. Aber der Kampf hatte große Verluste gekostet. Morion sah sich um. Vieles lag in Trümmern und viele der Eldar lagen tot am Boden. Er ging noch einmal zu Laradriens Leiche. Er beugte sich über sie, als ihm plötzlich das kleine, silberne Buch aus dem Mantel fiel. Morion nahm das Buch vom staubigen Boden auf. "Ich werde dein Werk vollenden, Laradrien."


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