Morion wusste, dass
der heutige Tag ein entscheidender für seinen Weg als Runenleser
sein würde. Er würde bald einen Trupp Gardisten in die
Schlacht begleiten, seine erste Schlacht. Der Runenprophet Laradrien
des Weltenschiffs Arion hatte vor ein paar Tagen angekündigt,
dass die Orks eines ihrer Portale auf einem Planeten in der Nähe
finden würden, und dass sie es verteidigen mussten. Morion
durfte zum ersten Mal für sein Volk kämpfen. Und er
würde es nicht enttäuschen. Auch wenn ihm eigentlich
bis heute nicht ganz klar war, wie die Vergangenheit dieses Volkes
aussah. Natürlich hatte er während seiner Studien der
unendlichen Bücher vom Fall der Eldar erfahren und kannte
ihre Geschichte besser als kaum ein anderer. Doch die über
die genaue Entstehung Arions hatte er selbst in den Büchern
nichts gefunden.
Es würde noch etwas dauern, bis die letzten Vorbereitungen
getroffen sein würden und so beschloss Morion noch einmal
seinen geistigen Führer aufzusuchen und ihn zu fragen. Morions
Meister war der größte Runenprophet des gesamten Weltenschiffs.
Der Rat der Seher sah in ihm einen zukünftigen Meister der
Runen, der irgendwann einmal vermutlich Laradriens Platz einnehmen
sollte. Arion lief durch die Gänge des Weltenschiffs und
betrachtete noch einmal genau das geschwungene blaue Muster auf
der weißen Wand. Selbst die Falcons und Droiden des Weltenschiffs
waren in diesem recht simplen Farbschema gehalten, welches dennoch
auf irgendeine Art beruhigend auf den jungen Eldar wirkte. Bis
auf die Aspektkrieger trugen eigentlich alle Eldar dieses Blau
- Weiße Farbschema, selbst die schwarzen Khaindar Aions
hatten das Blau mit in ihre Rüstungen aufgenommen. Spielten
diese Farben vielleicht eine Rolle in der Vergangenheit seines
Weltenschiffs ? Er hoffte, dies bald erfahren zu können.
"Laradrien, ich habe eine Bitte." Morion verbeugte
sich ehrfurchtsvoll vor seinem Lehrmeister. Der alte Runenprophet
kam auf ihn zu. "Erhebe dich, Morion, und stell deine Bitte.
So es denn in meinen Möglichkeiten liegt, so will ich dir
Antworten auf deine Fragen geben." Morion stand auf und
sah den Eldar an. Laradrien war selbst für einen Eldar
alt und hatte schon viele Zeitalter kommen und gehen sehen.
"Weiser Laradrien, ich habe mich gefragt, wie die Vergangenheit
dieses Weltenschiffs aussieht. Ich habe bereits mehrere Nächte
in der Bibliothek verbracht, doch mein Wissensdurst blieb ungestillt.
Könnt ihr mir vielleicht mehr über unsere gemeinsame
Vergangenheit erzählen?" Laradrien drehte ihm den
Rücken zu und lief auf eines der Fenster des riesigen Weltenschiffes
zu. Sein Blick schien durch die gesamte Galaxie zu schweifen
und gleichzeitig doch nur ein paar Sterne beobachtend. "Nun,
Morion, dass du kein Information dazu in den Büchern findest,
ist nicht allzu verwunderlich. Die Vergangenheit Arions ist
nur noch den wenigsten bekannt und noch weniger interessieren
sich für sie. Die Meisten sind vielmehr damit beschäftigt
sich um die Zukunft Arions zu kümmern, als auf unsere Vergangenheit
zurückzublicken." Morion ging dem Alten hinterher
und versuchte auszumachen, was er beobachtete. Er sah nichts
als den schwarzen Himmel und die Sterne, die in ihm funkelten
wie Diamanten. "Verzeiht meine Frage, natürlich ist
unsere Zukunft wichtiger als unsere Vergangenheit." Morion
ging demütig ein paar Schritte zurück. Der alte Eldar
drehte sich um und sah ihn nun wieder an. Seine Miene hellte
sich leicht auf und ein freundliches, aber zugleich von Erinnerungen
geplagtes Lächeln huschte über sein Gesicht. "Nein,
Morion, du musst dich für deine Frage nicht entschuldigen.
Fragen sind Bestandteil des Wissens und ohne das Wissen um unsere
Vergangenheit wäre unser Weltenschiff bei weitem nicht
das, was es ist. Ich bin nur betrübt, dass die Vergangenheit
nur noch so wenigen bekannt ist...
Außer mir wissen nur eine Handvoll Eldar auf diesem Schiff
um unsere Vergangenheit. Und die Zeiten sind zu heikel, um diese
schriftlich festzuhalten. Ich begann dieses Werk schon vor vielen
Jahren, doch konnte ich es nicht weit bringen. Die Schuld daran
trägt die Gegenwart und der Kampf um die Zukunft. Ich hoffe,
dieses Buch eines Tages zu vervollständigen." Der
Runenprophet bewegte zu seinem Tisch und holte ein kleines,
silbernes Buch hervor. Er gab Morion. "Du wirst nicht viel
in ihm finden, ich konnte gerade erst beginnen, die ersten Seiten
zu beschriften." Morion blätterte langsam in dem Buch
und warf einen Blick auf die ersten Seite, die geziert waren
von Eldarrunen. Die gesamte erste Seite sprach nur von der täglichen
Angst, mit der die Bewohner Arions heute lebten, also nichts,
was Morion weiterhalf. "Lies es später, die Zeit dafür
ist jetzt zu knapp. Ich werde dir erzählen, was ich weiß."
Morion schlug das Buch zu und verneigte sich erneut vor seinem
spirituellen Führer. "Habt Dank, Laradrien."
"Unser Volk war einst mächtig und stolz, sogar noch
ein wenig mächtiger als die anderen Eldarstämme des
Universums, auch wenn sich diese das natürlich nicht eingestehen
werden. Wir lebten auf einem eigenen Planeten, auf dem es kein
Land gab. Der gesamte Planet war überzogen von unendlichen
Meeren und Wassermassen. Unser Stamm hatte schon damals die
Technologie, auch Städte und Festungen unter dem Wasser
zu bauen. - Vor allem hierzu wirst du viele wichtige Details
in meinem Buch finden. - Wir lebten glücklich und zufrieden
in den Tiefen des Meeres und auch unser Charakter passte sich
unserer Umgebung an. Viele der Runenpropheten und Leser gingen
mysteriöse Wege und wandelten in Geheimnissen. Die Krieger
unseres Volkes übernahmen die Ruhe des Meeres, die es ihnen
erlaubt, selbst in den hektischsten Momenten ruhig zu bleiben
und die richtige Entscheidung zu treffen. Und das Meer gab den
Kämpfer auch die ruhige Hand, die man braucht um den Gegner
auf Distanz in Schach zu halten. Selbst nur wenige der anderen
Eldar wussten von unserer Existenz, und viele unserer Brüder
bezeichneten uns spöttisch als "Legende". Doch
wir waren mehr als das. Wir waren ein Volk, das Wege fand, wo
andere eine Wand sahen. Wir waren das Volk, das dort lebte,
wo die anderen den Tod fanden. Doch das Meer brachte nicht nur
Ruhe, es brachte auch Unachtsamkeit.
Die Tiefe des Meeres hatte viele Schlupflöcher und viele
unentdeckte Höhlen. Und in eben jene Höhlen schlich
sich das Chaos. Dunkel und verdorben korrumpierte es nach und
nach den ganzen Planeten. Die Dunkelheit kroch aus ihren Löchern
und übernahm nach und nach das Meer und den Planeten ohne
dass wir es bemerkten. Und plötzlich, irgendwann, überfielen
sie unsere Städte. Eine nach der anderen fiel unter grausamsten
Bedingungen." Der alte Eldar blickte erneut aus dem Fenster
und seufzte. "Viele unseres Volkes starben. Keiner war
auf eine solche Situation vorbereitet. Selbst die größten
der Runenpropheten hatten dieses Grauen nicht kommen sehen.
Doch bald erkannte der Rat der Seher, dass unser Heil nicht
mehr auf unserem Planeten lag. Selbst wenn man das Chaos damals
hätte vertreiben können, wäre der Planet soweit
verkommen und verdorben gewesen, dass wir auf ihm lange Jahre
nicht mehr hätten leben können. So wurde damals in
unserer Hauptstadt, Erathon, dieses riesige Weltenschiff gebaut,
auf dem du dich jetzt befindest. In dieser Zeit fielen viele
Städte unseres Volkes und das Chaos schien mit jedem Überfall
nur stärker zu werden." Laradrien wanderte in seinem
Raum auf und ab. "Ich sehe bereits den Platz des Überfalls
aus meinem Fenster. Du wirst bald gehen müssen." Morion
warf ebenfalls einen Blick aus dem Fenster des Zimmers des Runenpropheten.
"Dann erzählt mir bitte wie es weiterging. Ich will
mit dem Stolz meiner Ahnen das Schlachtfeld betreten!"
Der alte Eldar lächelte freundlich.
"Dann, am entscheidenden Tag, als sich unser Volk bereit
gemacht hatte, seine alte Heimat zu verlassen, griff das Chaos
sie an. Dämonen und Monstrositäten stürmten auf
unsere Brüder zu und schnell wurde ein Plan gefasst, der
uns genug Zeit zum Fliehen geben sollte. Die Runenpropheten
vereinten auf eine unglaubliche Art und Weise ihre Kräfte
und erschufen so eine undurchdringliche Passage aus purer Energie
zwischen der Stadt und den Dämonen des Chaos. Leider gehörten
sie zu denen, die nicht gerettet werden sollten...
Sie blieben und hielten das Schild aufrecht, das die Dämonen
abhielt. Der Rest der Eldar floh mit dem Weltenschiff, auf dem
du dich jetzt gerade befindest. Seit damals haben wir oft unser
Leben und unsere neue Welt - dieses Schiff - verteidigen müssen.
Doch noch immer ist die Kraft des Meeres in uns und unseren
Wegen. Du wirst merken, dass alle Eldar unseres Schiffes ruhige
Personen sind, eine besondere Begabung für die prophetischen
Weissagungen und die Veranlagung für zielsichere Schützen.
Wir hatten damals selbst spezielle Fahrzeuge für den Unterwassertransport.
Unser Faolchú war auch bekannt unter dem Namen "Der
Mantis". Erst mit der Zeit stellten wir unsere Systeme
auf das Leben im All und auf anderen Planeten ein. Ein Teil
unserer Veranlagungen und unserer Vergangenheit gingen verloren,
genauso wie unsere Heimat einst verloren ging. Viele unserer
Krieger tragen heute noch die traditionellen Farben, die sie
schon damals trugen - Unterschiedlichste Blautöne, symbolisierend
für das Wasser, dass Meer und die Kraft, die von ihm ausgeht.
Dazu noch meist Weiß, symbolisierend für die brechenden
Wellen, die jeden Feind begraben." Laradrien wandte seinen
Blick erneut von Morion ab. "Laradrien, ich danke euch
dafür, dass ihr euer Wissen mit mir geteilt habt."
Laradrien winkte ab. "Junger Leser, es ist schön,
dass es noch Eldar gibt, die um das Wissen ihrer Vorfahren interessiert
sind. Doch nun ist es an der Zeit das Schlachtfeld erneut zu
betreten..."
Morion betrachtete den riesigen Koloss neben sich noch einmal.
Bald würde er sich bewegen und auf die Horden der Orks
einen wahren Feuerhagel ablassen. Der Phantomlord würde
sie unter Lasersalven begraben. Er überblickte noch einmal
die eher kleine Streitmacht seines Weltenschiffs. Er hatte schon
wesentlich größere in die Schlacht ziehen sehen.
Um ihn herum diskutierten die Gardisten, die er anführen
sollte eifrig. Neben seinem Trupp gab es noch zwei weitere,
aber diese beiden waren eher defensiv ausgelegt und mit einer
schweren Waffenplattform unterwegs. Ein großer Falcon
war auf der ganz rechten Seite zu finden. Und er hatte immer
noch eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Manta...
Ein Dreiertrupp der Vypers hatte sich genau gegenüber positioniert.
Hinter ihm standen ein paar der Schwarzen Khaindar auf einer
kleinen Anhöhe, die ihm und seinen Sturmgardisten mit Sicherheit
guten Feuerschutz geben würden. Schließlich besaß
jeder Eldar Arions die Veranlagung zum meisterhaften Schützen.
Direkt neben ihm befanden sich noch zwei kleine Trupps aus Banshees
und Skorpionskriegern, die Orks in der Mitte im Nahkampf beschäftigen
sollten. In der Zwischenzeit bewegten sich noch weitere Kampfkolosse
auf das Schlachtfeld. 1... 2... 3... 4... 5... 6... Kampfläufer
zählte Morion, und er erkannte, dass sie fast ausschließlich
mit Imuplslasern bewaffnet waren. Dies waren mächtige Waffen,
die unglaubliche Mengen an Laserstrahlen feuern konnten. Dies
hatte Morion in vielen der unendlichen Bücher lesen können.
Ein zitierte noch einmal die magischen Runen, die ihm und seinem
Trupp während der Schlacht großen Schutz geben sollten.
Er sah Laradrien und wie er noch mit ein paar der Gardisten
diskutierte. Er warf einen Blick über das Schlachtfeld
und konnte mit dem Auge schon eine Staubwolke in der Ferne ausmachen.
Dies schienen die ersten Orks zu sein. Elende Grünhäute!
Der staubige Savannenboden machte es ihm aber nicht leicht,
tatsächlich etwas zu erkennen "Los jetzt!" hörte
er Laradriens Stimme in seinem Kopf. Er gab seinen Mannen den
Befehl vorzustürmen. Er sah wie die Vypers und der Falcon
an ihm vorbeijagten. Er und seine Gardisten positionierten sich
kurz, als Morion erkannte, was da auf sie zukam. Eine riesige
Grüne Welle stürmte auf sie zu, der mit Sicherheit
die dreifache Größe ihrer Armee hatte. Er zögerte
kurz und fing sich dann wieder. Er stürmte mit seinen Männern
auf eine alte Ruine zu und sammelte sie dort.
Durch die alten Fenster des Gebäudes konnte Morion sehen,
wie die schweren Geschütze der Eldar die Orks unter Beschuss
nahmen. Die Schwadron Kampfläufer feuerte einen riesigen
Hagel an Lasergeschossen ab, die viele der riesigen Orks zu
Boden riss, und auch die Khaindar und die Gardisten mit Waffenplattformen
ließen einen wahren Hagel an Geschossen auf die Horde
nieder. Der Falcon und die Vypers umrundeten die Orks, ohne
dabei auf sich aufmerksam zu machen. Sie schwebten leise an
zwei Hügeln vorbei und verschwanden damit aus der Sicht
der Oks - und leider auch aus seiner Sicht. Morion konnte die
Skorpionkrieger und die Banshees ausmachen, die sich nicht allzu
weit von ihm sammelten. "Wenn ihr die Orks angreifen wollt,
dann tut das nicht alleine, ihr wärt verloren. Die Orks
sind unglaublich brutale Monster, ihr müsst sie dezimieren,
bevor ihr auch nur daran denkt, sie zu attackieren." Hallte
es erneut in Morions Kopf. Laradrien hielt die Eldar zusammen,
war ihr spiritueller Anführer. Er organisierte sie und
gab die Befehle. Er war nicht nur weise, er hatte auch schon
unendliche Schlachten gesehen und bestritten. Inzwischen waren
die Orks aber bedrohlich nahe gekommen. Wie denn dezimieren
? Diese riesigen Biester schienen kaum beeindruckt von den unglaublichen
Verlusten, die sie bereits hinnehmen mussten. Hätten die
Eldar genauso viele ihrer Brüder verloren, so stände
vermutlich keiner mehr. Erneut hörte Morion das unglaubliche
Surren und Zischen der Laserwaffen. Erneut fielen Hunderte Orks
in einem unglaublichen Feuerhagel. Allerdings gab es auch beunruhigende
Geräusche auf Seiten der Eldar. Ein großer Panzer
hatte den Phantomlord in einer großen Explosion in die
Luft gejagt, wurde aber im gleichen Atemzug von einer der Waffenplattformen
der Eldar zerstört. Elende Bestien! Wieder einer von Morions
Brüdern, der jetzt für immer in den Klauen des Chaos
verloren war! Ein weiterer lauter Knall kam von Jenseits der
Hügel, hinter denen eben noch der Falcon verschwunden war.
Morion sah noch, wie die Khaindar erneut die Orks beschossen.
Einen kurzen Moment schien es so, als würden die Orks nun
ins Stocken geraten. Ihr Tempo wurde etwas langsamer. Zwischen
ihnen grunzte ein noch größerer Ork ihnen irgendetwas
zu. Morion wusste, jetzt war der Zeitpunkt für den Angriff
gekommen. Er nahm den Griff seines Hagûn Zar fester in
die Hand und holte tief Luft. Gerade als er seinem Trupp den
Angriff befehlen wollte, geschah etwas unerwartetes. Laradrien
hatte sich ein einiger Entfernung zu den Nahkampftrupps positioniert
und hatte nun die Mächte des Warp beschworen, als ein riesiger
Sturm reiner Energie über den Orks losbrach. Morion hörte
die Schreie der Grünhäute, aber er der Sturm wirbelte
soviel des sandigen Bodens auf, dass er schon nach wenigen Momenten
nur noch wenig erkennen konnte. Bald war soviel Staub aufgewirbelt,
dass man nicht mehr in diese Wolke hineinsehen konnte. Morion
und sein Trupp starrten wohl genauso gespannt wie alle anderen
in diese riesige Wolke. Für einen Moment legte sich unglaubliche
Stille über das Schlachtfeld. Die Schreie der Sterbenden
verstummten und kein Wind regte sich. Absolute Stille. Der Kampf
schien für diesen kurzen Moment nicht mehr zu sein.
Dann plötzlich schoss der große Ork aus der Staubwolke
und rannte, gefolgt von einigen anderen großen Orks auf
Laradrien zu. Die Eldar waren so überrascht, dass keiner
so schnell reagierte wie der Ork brauchte um Laradrien zu erreichen,
ihn zu packen und die Kehle zuzudrücken. Danach ließ
der Ork die leblose Hülle des Eldar fallen und brüllte
einen lauten Siegesschrei hinaus. Morion war geschockt. Sein
Lehrmeister war gefallen! Durch die Hand dieser widerlichen
Bestien! Was sollte das Weltenschiff Arion ohne ihn werden ?
Ohne ihn, einen der weisesten Eldar der ganzen Galaxie hatte
Arion keine Zukunft mehr. Plötzlich hörte Morion noch
einmal die Stimme des alten Eldar: "Die Meisten sind vielmehr
damit beschäftigt sich um die Zukunft Arions zu kümmern,
als auf unsere Vergangenheit zurückzublicken." Jetzt
war nicht die Zeit, sich Sorgen um die Zukunft zu machen. Jetzt
war es an der Zeit für die Gegenwart einzutreten und den
Ruhm der Vergangenheit erneut aufleben zu lassen. Morion erhob
sein Hagûn Zar und rief seinen Trupp zum Angriff. Sie
stürmten auf die paar großen Orks zu, die immer noch
bei Laradriens Leiche standen. Und als die anderen Eldar sahen,
wie die Sturmgardisten auf die Orks zustürmten, schienen
auch sie wieder neuen Mut zu fassen. Morion hörte die Kampfschreie
der Skorpionskrieger und der Banshees in seinem Rücken.
Als sie auf die Orks regelrecht aufprallten, entstand ein brennender
Nahkampf. Während sich der Trupp der Gardisten mit den
Orks beschäftigte, hatte Morion nur ein Ziel: Laradriens
Mörder! Er hackte sich mit seinem Hagûn Zar durch
einen der Grünlinge, als wäre er Nichts. Aus dem Augenwinkel
erkannte er, wie die Banshees und die Skorpionskrieger mit zwei
größeren Trupps normaler Orks kämpften. Der
große Ork hatte ihn inzwischen bemerkt und schnaubte einmal
laut, als er sich auf den Weg zu ihm begab.
Als sie sich inmitten des riesigen Kampfgetümmels gegenüberstanden,
bemerkte Morion erst, wie groß der Ork wirklich war. Er
überragte ihn fast um das Zweifache. Als der Ork das erste
Mal ausholte wich Morion geschickt aus und schlug dem Ork mit
dem Hagûn Zar in die Seite. Das Schwert schien den Ork
nicht sonderlich zu beeindrucken, als er es abbekam. Der Ork
drehte sich nur zu Morion um und wirkte ein noch etwas wütender
als vorher. Der Ork holte erneut zum Schlag aus, aber wieder
konnte Morion sich wegducken. Der Eldar sprang geschickt an
dem riesigen Ork vorbei und rammte ihm sein Hagûn Zar
in den Rücken. Diesmal zeigte es auch mehr Wirkung. Der
Ork schrie verzweifelt auf, als er das Energieschwert in seinem
Rücken bemerkte und versuchte nun erst mal den Eldar, der
an dem Schwert hing, loszuwerden. Das geling ihm mit einer viel
zu schnellen und unerwarteten Bewegung auch. Morion wurde in
hohem Bogen zu Boden geschleudert. Sein Schwert steckte noch
immer im Rücken des Orks, der jetzt mit schmerzverzehrtem
Gesicht auf ihn zustürmte. Der ersten Energieklaue konnte
der immer noch am Boden liegende Runenleser zwar ausweichen,
aber die zweite traf ihn an der Schulter. Selbst die äonenalte
Rüstung schützte den Eldar nicht. Ein brennender Schmerz
durchzuckte Morion. Er konnte gerade noch einem weiteren Schlag
ausweichen, der schon wieder auf ihn niederging. Diesmal aber
blieb der Ork im weichen Sand stecken, was Morion die Zeit gab,
die er brauchte um sich kurz in Sicherheit zu bringen. Er hielt
sich die Schulter, war verletzt. Der große Ork stand immer
noch wütend und schnaubend vor ihm. Morion war unbewaffnet,
der Ork schein keinerlei Einschränkung durch das Schwert
im Rücken zu haben. Und bei einem Blick auf das Schlachtfeld
ergab sich Morion ein ähnliches Bild: Die Banshees waren
inzwischen ganz geschlagen, seine Sturmgardisten hatten zwar
die großen Orks getötet, aber waren danach schnell
von den nachstürmenden Orks erledigt worden. Die Skorpione
schlugen sich tapfer gegen einige Orks, aber waren auch hoffnungslos
unterlegen. Selbst die Eldar die weiter hinten gelassen worden
waren inzwischen zu großen Teilen aufgerieben. Der große
Ork stapfte nun auf Morion zu und Morion konnte seinem Mund
ein paar Worte entnehmen: "Wir machen euch Spargelz' fertich!"
Der Eldar taumelte einen Schritt zurück, als alles vor
seinen Augen kurz blitzte. Es war vorbei. Die Eldar waren geschlagen
und die Orks würden das Weltenschiff Arion mitsamt seiner
Vergangenheit und Zukunft vom Antlitz des Universums jagen...
NEIN! So sollte es nicht enden. Nicht jetzt und nicht hier.
Und vor allem nicht durch die Hand eines widerlichen, grünen
Orks! Morion öffnete noch einmal die Augen und sah den
großen Ork an. Stolze, Hasserfüllte Eldaraugen, die
den Ork regelrecht durchbohrten. Selbst der riesige Ork war
einen Moment lang verblüfft und blieb stehen. Morion konzentrierte
seine gesamten psionischen Kräfte auf den Ork. Der Ork
hielt sich seinen Kopf, taumelte zurück und schrie vor
Schmerzen auf. Er packte sich mit beiden Händen am Kopf
und brüllte schmerzverzehrt in die Menge, als Morion seine
Kräfte immer stärker auf forcierte. "Stirb elender
Ork!" schrie Morion. Der Ork schrie ein letztes Mal, bis
sein Kopf platze. Danach sank sein lebloser Körper zu Boden.
Ein Raunen ging durch die grüne Horde und ihr Angriff schien
für einen Augblick an Härte und Kraft zu verlieren.
Morion schritt auf die Grüne Flut zu. Und in genau dem
Moment hörte er ein bekanntes Geräusch: Das Surren
einiger Antigravmotoren! Und dann sah er auch schon, wie hinter
der grünen Horde der Falcon - nein, der Manta! - wieder
aus den Tiefen auftauchte. Und auch die Vypers waren an seiner
Seite und feuerten in den Rücken der Grünen Horde.
Ein gutes Dutzend Orks fielen unter dem Beschuss der beiden
Fahrzeuge. Ein paar der verwirrten Orks, die sich plötzlich
in einer Kneifzange sahen, achteten viel mehr auf ihren Rücken
als auf die Skorpionskrieger vor ihnen, die die Verwirrung dazu
nutzen, einige weitere Orks niederzumachen. Die wenigen verbliebenen
Orks standen nun zwischen ein paar entschlossenen Eldar und
einem Panzer eingeschlossen und suchten ihr Heil in der Flucht.
Die Schlacht war geschlagen und die Eldar waren siegreich. Aber
der Kampf hatte große Verluste gekostet. Morion sah sich
um. Vieles lag in Trümmern und viele der Eldar lagen tot
am Boden. Er ging noch einmal zu Laradriens Leiche. Er beugte
sich über sie, als ihm plötzlich das kleine, silberne
Buch aus dem Mantel fiel. Morion nahm das Buch vom staubigen
Boden auf. "Ich werde dein Werk vollenden, Laradrien."
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